Der Biogarten – Wer passt zu wem?

Der Biogarten oder – Ein Date im Beet … Die Plattformen zur Partnersuche schießen aus dem Boden wie Pilze im Herbst. Da gibt es die 0-8-15-Version, in der nur die Suchoption nach Geschlecht, Alter und Postleitzahl zur Verfügung steht. Und dann ein tolles, gestyltes und möglichst überarbeitetes Foto. Und dann gibt es wiederum Plattformen, auf denen man mit Hilfe eines ausgeklügelten psychologischen Tests den Traumpartner finden kann. Letztere sind oft nachhaltiger, denn letztlich zählt ja nicht nur das pure Aussehen der Person, sondern die Chemie muss einfach stimmen. [caption id="attachment_1950" align="alignleft" width="300"]Biogarten ein date im beet[/caption] Im Garten ist das nicht anders. Keine Rote Beete würde gerne Kartoffeln als „Pflanzpartner“ haben. Für die Gurke ist das Radieschen als Partnerpflanze ausgeschlossen. Erbsen interessieren sich nicht nur nicht die Bohne für die Bohne. Sie haben tatsächlich eine Abneigung dagegen. Doch diese beruht auf Gegenseitigkeit, denn die Bohne kann mit der Erbse ebenso wenig anfangen. Tomaten sind dagegen nicht abgeneigt von Broccoli und Co. Und die Tomate hat mit ihrem umwerfenden Charme das Herz des Broccoli relativ schnell erobert. Er kann von ihr gar nicht genug bekommen. Und nicht nur Kohlgewächse sind ganz wild auf Tomaten in der Pflanzenpartnerschaft. Auch das Basilikum passt nicht nur in der Küche hervorragend zu den Tomaten. Möhren und Mangold sind einander ebenso freundlich gesonnen.Was zunächst etwas seltsam oder gar albern klingt, ist doch eine Tatsache. Zwar hat es weniger mit Liebe zu tun, was da beispielsweise zwischen Brokkoliröschen und Tomaten in voller Schamesröte inmitten des Gemüsebeets abläuft. Doch verträgt sich das eine Gemüse nur bedingt mit dem anderen. Manche „graben sich das Wasser ab“, andere benötigen die gleichen Nährstoffe aus dem Boden und stehen somit in direkter Konkurrenz miteinander. Und viele der gleichen Art dicht zusammen gepflanzt sind ein einfaches Spiel für Schädlinge. Die Massenhaltung ist schon schlimm genug in den Tierställen, holen wir uns sie nicht auch noch in den Garten… BiogartenWieder andere Pflanzenarten sondern bestimmte Stoffe ab, die andere gar nicht mögen. Zwar ist die Walnuss ein Baum und lässt sich daher nur schwerlich zum Gemüse zählen. Doch genau bei ihr sieht man sehr deutlich, was es heißt, einen falschen Nachbarn zu haben… Denn wer sie als Nachbar hat, braucht keine Feinde mehr! Sie verströmt einen bestimmten Stoff, mit dem sehr viele Pflanzen einfach nicht zurecht kommen. Sie verkümmern und gehen ein. Ich habe im Garten schon einiges versucht, für die Walnuss doch noch einen Partner zu finden. Mehrere Blind-Dates endeten im totalen Fiasko, bei dem der zugepflanzte Partner direkt den verhängnisvoll Kürzeren zog. Einzig die Kartoffel hat sich wacker geschlagen. Und es schien so, als könnten auch Kartoffelkäfer die Walnuss einfach nicht „riechen“. Diese längsgestreiften, eingeschleppten Amerikaner haben übrigens ursprünglich in ihrer Heimat Colorado nie ein Kartoffelblatt zu Gesicht bekommen. Sie lebten von dem Stachel-Nachtschatten. Erst als die ersten Siedler Kartoffelpflanzen anbauten – auch ein Nachtschattengewächs -, kamen sie auch auf deren Geschmack. Die Tiere wurden nach Europa verschleppt und dann hatten wir den Salat… Wie die Spanische Wegschnecke haben die gestreiften Käfer hier so gut wie keine natürlichen Feinde und treten als Kartoffelschädling auf. Dass jene Käfer nun die Walnuss nicht riechen konnten und sich daher von den Erdäpfeln fern hielten, war praktisch. Jedoch nahm die Kartoffel das Beschatten durch den Walnussbaum  ein wenig krumm und somit war der Vorteil bald dahin. Die Walnuss wartet nun weiterhin auf den Traumpartner, oder vielleicht möchte sie ja auch einfach keinen. Oft kommt es vor, dass sich ein Gemüse mit dem anderen verträgt und sich beide gegenseitig nur dulden, sich nichts wegnehmen. Der Idealzustand einer Beziehung ist es jedoch, wie auch bei menschlichen Beziehungen, sich gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen. Und das ist dann auch der positive Effekt einer gelungenen Mischkultur. Nicht selten ist eine Symbiose zu erreichen. Möhren lassen sich zum Beispiel von der Möhrenfliege nicht stören, wenn der Knoblauch oder andere Zwiebelgewächse in der Nähe stehen. Im Gegenzug schützt die Möhre Porre & Co. vor der Lauchfliege. Kerbel ist ein Graus für Schnecken. Er verströmt wohl einen Duft, den die Tiere einfach nicht „riechen“ können und die Schleimer nehmen Reißaus. Daher kann man ihn als guten Freund jeglichen Salats bezeichnen. Hier gibt es allerdings verschiedene Sensibilitäten, wahrscheinlich liegt es auch an der jeweiligen Kerbel-Pflanze und ihrer Duftintensität. Manche Schnecke schert sich jedenfalls kein Stück weit um den Kerbel, umkriecht ihn einfach und bedient sich mit ihrer Raspelzunge an der leckeren Salatbar – inklusive Kerbel-Kräuterdressing. Die Tagetes – auch Studentenblume genannt – zieht ebenso Schnecken an. Allerdings ist sie auch irgendwann abgefressen und spätestens dann wird der Spinat im Hauptgang platt gemacht… Knoblauch zwischen den Erdbeeren beugt der Schimmelbildung bei feuchter Witterung vor und ein Kohlbeet zwischen den Tomaten ist eine hervorragende Abschreckung gegen Kohlschädlinge wie den Kohlweißling. Der Tomatengeruch scheint den Falter fern zu halten. Wie übrigens auch Stechmücken. Geizt man eine Tomatenpflanze aus, sollte man die ausgebrochenen Zweige nicht alle auf den Kompost werfen. Ein Teil davon mit nach Hause genommen und auf den Nachttisch gelegt, wirkt Wunder gegen Stechmücken. Und sogar die Kartoffel hat den Walnuss-Flop hinter sich gelassen, nachdem sie mit der Kapuzinerkresse zusammen wachsen kann. Denn diese wirkt auch abschreckend auf den Kartoffelkäfer. Und sie sieht dazu auch noch schön aus. Aus Südamerika stammt das Wissen um die Synergien, die bei einer pflanzlichen Dreiergruppe entstehen. Pflanzt man Mais, Kürbisse und Bohnen zusammen, werden positive Wirkungen erzielt und alle drei fühlen sich pudelwohl. Überhaupt sollte man sich viel mehr die Gegebenheiten des natürlichen Wachstums zunutze machen. Wozu bitteschön Bohnenstangen kaufen und aufstellen, um Stangenbohnen daran hoch ranken zu lassen? Der Randbereich eines Baumes oder beispielsweise ein Raketenwachholder sind die ideale „Bohnenstange“. Das heißt, eine Schnur mit einem kleinen Stab im Boden verankert und deren andere Seite am Baum befestigt, dient dann als Kletterhilfe. Schön angeordnet bieten die Bohnen dann – neben dem Nutzen als Bohnenlieferant und Bienenweide – auch noch eine Augenweide. Zudem tropft im Randbereich eines Baumes deutlich mehr Wasser bei einem Regenschauer auf den Boden, als im freien Feld. Man kann sich so das oftmalige Gießen ersparen. Ebenso, wie man der Pflanze den richtigen Partner gibt, sollte man darauf achten, dass sich beide einander genügend Freiraum lassen. Denn wie im wahren Leben kann ein Einengen am Ende dazu führen, dass einer den Kürzeren zieht. Manche Pflanzen reagieren zum Beispiel sehr empfindlich auf große Feuchtigkeit und fehlende Abtrocknung. Ein Pfirsichbaum braucht genügend Freiraum, um vom Wind abgetrocknet zu werden. Hat er diesen nicht, fängt er sich regelmäßig die Kräuselkrankheit ein – eine Pilzerkrankung, die bei Nichtbehandlung die Ernte, sowie nach und nach den ganzen Baum zerstören kann. Zwar ist es bei einem kleinen Bäumchen möglich, per Hand die befallenen Blättchen zu entfernen und direkt zu verbrennen oder im Hausmüll zu entsorgen. Außerdem kann man den Baum mit einem natürlichen Anti-Pilzmittel behandeln, das es im Handel zu kaufen gibt. Doch warum sollte man die Symptome bekämpfen, wenn die Ursache einfach jene ist, dass dem Baum der Freiraum fehlt? Ob nun ein einfaches Nebeneinander her leben oder aber die Symbiose, ein Verhindern von falschen Partnern oder die Vermeidung des falschen Umfelds. Es lohnt sich, die richtigen Partner für seine Pflanzen zu finden. So fühlen sie sich wohl und profitieren davon, sind gesünder als jene Zwangsvermählte. Und ist die Pflanze gesund, freut sich der Gärtner. Also – Zeit für den richtigen Partner!